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The State of Illinois´ law and I
Ich dachte ja nicht, dass das so schwierig werden würde. Eigentlich hab ich gedacht: ich fahr da hin, zeig denen meinen österreichischen Führerschein, mach ein lustiges Foto und bekomme 10 Minuten später meinen amerikanischen Führerschein ausgestellt. Schließlich darf in Amerika alles was vier Reifen hat und alles was 16 Jahre alt ist auf der Straße fahren. Und das noch nicht mal besonders gut, wie ich nur nebenbei bemerken möchte.
Jesse Whites, Secretary of State Office at Bradley Avenue was the place to go.
Mit diesem Office verbindet mich eine mittlerweile längere Geschichte mit vielen Verstrickungen. Zunächst konnte ich es nicht finden. Ich bin viermal vorbeigefahren weil ich aus einem mir unerklärlichen Grund davon überzeugt war, dass es sich auf der rechten Straßenseite befindet. Es war aber auf der Linken. Als ich dann endlich dort war hab ich mal zunächst mein Auto angemeldet. Das ging Ruck-Zuck. Ein Formular ausfüllen, unterschreiben, 40 Dollar zahlen, Nummerntafel ausfassen und angemeldet ist das Auto! Die nächsten Schritte waren weitaus schwieriger.
Ich wollt nämlich damals auch gleich den Führerschein machen – aber dazu braucht man eine Sozialversicherungsnummer und die zu bekommen hat ja auch ein Zeiterl gedauert. Aber das ist eine andere Geschichte.
Das nächste Mal, ein gutes Monat später, war ich mit Sozialversicherungsnummer, Reisepass, “piece of mail that proofs your adress” = ein an dich adressierter Brief der hierzulande den Meldezettel ersetzt und meinem österreichischen Führerschein bewaffnet wieder dort. Dieses Mal ohne viermal vorbeizufahren.
Nööööt. Zurück an den Start. Nach einer Stunde warten wurde mir erklärt es reicht nicht die Sozialversicherungsnummer, ich brauche die Sozialversicherungskarte (auf der übrigens in Großbuchstaben steht: DO NOT CARRY THIS CARD WITH YOU! Keep your card in a safe place to prevent loss or theft.) Rein ins Auto, heimgefahren, die Karte aus dem “safe place” geholt wieder hingefahren – Tadaaa. Nach einer weiteren Stunde warten durfte ich dann die Computerfahrprüfung und den Sehtest absolvieren.
- “Really? Do I have to??? But I already have an Austrian…”
- “Ma´am, I´m sorry. The State of Illinois´ law requires you to take the computer test”
- “Oh.”
Platz 7, Frage 3:
Most rear-end collisions are caused by the vehicle in back following too closely.
* True
* False
Well, good chance they want me to tick the “true” box.
Do they have statistics to proof that? Do you go up to the drivers and ask them: “Excuse me Sir, could it be that that accident happened because you were following that lady too closely?” – “Uhm, well, officer, uhm, I guess, well, yeah, I guess that could have been the case, uhm.”
Platz 7, Frage 13:
What should drivers do when approaching a construction area?
a) Increase their speed to get out of the way quickly.
b) Slow down and yield the right-of-way.
c) Honk their horn several times to alert individuals working in the area of their presence.
My favourite question, actually. I was tempted to tick c but then I thought The State of Illinois might not have any sence of humour, so better not mess with it.
10 Minuten und 20 Fragen später stand ich wieder am Schalter.
- “Please take a seat, ma´am. We will call you up for the driving test.”
- “Really?! Do I have to….? But, I already……. Yes, I know. The State of Illinois probably requires me…”
Diesmal hat es nur 15 Minuten gedauert. Die nette Dame geht mit mir nach draußen. Sie sagt ihr Sprücherl auf, ich tu was sie sagt: “Hello Irene, I follow you to your car. When we reach your car I want you to get inside start your engine and roll down your window at the drivers´ side.”
Sie geht um mein Auto herum und meint:
“Irene, where is your front license plate?”- “At home.” – “Why is that?” – “Well, there is no place to put it. (Es gibt wirklich keine Halterung dafür. Nachdem viele amerikanische Autos keine Nummerntafel vorne sondern nur hinten haben hab ich mir gedacht – ok! Eins ist Reserve. Zugegeben, vielleicht ein bisschen naiv. Aber damals hab ich ja noch nicht gewusst wie unentspannt dieser State of Illinois ist.) – “The State of Illinois´ law requires you to have two license plates. One at the front and one at the back of your car. I am sorry, but I cannot let you take the driving test in that car. It´s illegal.” – “?! (Thinking: What the fuck?!)” – “You have to come back some other time. Make sure you have both your license plates. Make sure all your lights are working. Make sure your horn works. If any of those do not work, or are not properly installed, I cannot let you take the test.”
Ich bin dann nach Hause gefahren. Den ganzen Heimweg lang hab ich laut und deutlich auf Deutsch geflucht und mich gleichzeitig versichert, dass meine Hupe auch wirklich funktioniert. Boy, I was angry!
Zur Kompensation hab ich dann mir und meinem Auto nicht nur einen Nummerntafel-Halterung sondern auch eine Nummerntafel-Verzierung mit silbernen Palmen gekauft. Wenn schon Front-License-Plate, dann aber auch mit Stil!
Am nächsten Tag die blöde Nummerntafel samt Halterung und Verzierung mit Gewalt in die Plastikstoßstange geschraubt (who gives a damn?!), wieder hingefahren und mich für meinen Driving Test angemeldet. Nach 12 Jahren Autofahren noch mal einen Driving Test machen ist wirklich wirklich seltsam! Ich war sau-nervös (wer weiß was The State of Illinois noch alles in peto hat für mich…), hab gleich beim zweiten Mal abbiegen die Scheibenwischer eingeschalten, bin dadurch zu spät aus der Kreuzung gefahren und die gute Frau hat mir erklärt “Irene, if you drive out that late, you have to speed up, otherwise you are slowing down the traffic flow” – “Mhm (Thinking: Shut up, &*$/§€!)” Rechts-Abbiegen, Links-Abbiegen, Parken, Rückwärts aus einer Einfahrt hinausfahren…. meine Fahrprüfung in Österreich war nicht so gründlich.
Aber nachdems ja eh egal ist wie man fährt – obviously, since Illinois was ranked third worst drivers´ state – hab ich nach 15 Minuten Fahrprüfung die Erlaubnis bekommen mein Führerscheinbildchen zu machen.
10 weiter Minuten später haben ich und mein neuer Führerschein Jesse Whites Secretary of State Office auf hoffentlich Nimmerwiedersehen verlassen.
Luxury, please! *)
Looks kind a posh – huh?
*) Die Kategorie ist von Markus gestohlen. Und ich werd sie auch nur das eine Mal verwenden. Couldn´t resist, mate…
Impressions of St. Louis
St. Louis ist ja an und für sich keine Stadt in der man unbedingt alt werden muss. Aber so für ein- zwei Tage sehr nett zu besichtigen. Vor allem mit der netten Roadtrip-Crew mit der ich unterwegs war.
Ich will hier gar nicht mehr Worte verlieren. Adrian hat einen umfassenden Bericht geschrieben, hier nachzulesen.
Dem ist nur hinzuzufügen, dass er Ooey-Gooey-Indian, den wir im Powakah-Diner in Pocahontas, Illinois, gegessen haben wirklich vorzüglich war.
Marching music makes me hot
Von wegen Schulbands sind langweilig!
Marching Illini (sprich: martsching eileinei) ist a) riesig groß, b) eine ziemliche Stimmungskanone, c) spielt lustige Hits (so wie “Living on a Prayer”), d) hat Cheerleader und e) die Instrumente haben lustige Choreographien beim Spielen. Die Tubas (oder Tuben?) drehen sich zum Beispiel immer im Takt: rechts, mitte, zurück, mitte, rechts, mitte, zurück, mitte, usw. Schon sehr beeindruckend wenn 20 Tubas das gleichzeitig machen. Und wahrscheinlich ziemlich anstregend. Die Trompeten hingegen werden über dem Kopf gehalten und im Takt hin und her gewiegt.
Nachdem das Orchester so groß ist gibts einen Hauptdirigenten, der steht auf der Leiter in der Mitte – vor den Bläsern und hinter den Cheerleadern – und zwei bis fünf “Nebendirigenten”. Die stehen vor den anderen Bläsern und kopieren das, was der Haupdirigent macht. Damit die Bläser ihre Köpfe nicht drehen müssen. (Sonst wär die ganze Tuba-, Saxophon-, Trompeten-Choreographie kaputt).
Die Cheerleader lächeln und hüpfen im Takt. Auch sehr schick.
Ich freu mich schon auf mein erstes Football-Match. Die Marching Illini sind nämlich die Hauptanfeuerer der Figthing Illini (sprich: feiting eileinei). Da wird dann sicher wieder “Hail to the Orange” (find ich ja persönlich recht witzig… Ich frag mich, ob die Spieler dann auch mit Orangen beworfen werden wenn sie verlieren…) und der Loyalty Song gespielt, ein ganz typisches Schulbandlied.
Die Band war eindeutig das Highlite des Sweet-Corn-Festivals. Sweet Corn hab ich keins bekommen weil am Nachmittag so eine lange Schlange anstand und ich nicht warten wollte und am Abend das Sweet Corn aus war. Am Abend hat dann War gespielt. Die waren auch gut – aber nicht so mitreißend wie die Marching Illini. In den USA ist es anscheinend sehr üblich sich sein Campingsesserl überall hin mitzunehmen. Da ist ein Festival, da spielt eine Band – schwupp, werden Sesselchen ausgeklappt, Reihen gebildet und wo man vorher noch unbehindet tanzen konnte stolpert man jetzt über Füße und Knie frierender, in Decken gehüllter Menschen. Man wird aber dafür nicht – wie bei uns – angeraunzt. Nein, die lächeln und sagen “Oh, sorry. Shall I move back?”
Quad Day
Die Alma Mater freut sich: nie erscheinen ihre Kinderlein soooo zahlreich wie am Quad Day. Quad Day hat vor allem den Sinn, all die jugen Freshmen and -women in eine oder mehrere der zahlreichen Unigruppen zu integrieren. Die Graduate Bible Study Gruppe wirbt neben der Pagan Students Association und den Buddhists for World Peace um die religiös interessierten Neuankömmlinge. Die Atheists, Agnostics und Freethinkers sind im Programm übrigens auch als religiöse Gruppe geführt. Schließlich gibts auch Kirchen für AtheistInnen. Nur weil sie nicht an Gott glauben heißt das ja noch lange nicht, dass sie auf das hübsche Haus verzichen wollen. Logisch.
Ich hab mich bei den Pirates of Champaign in die Mailingliste eingetragen. Sie haben mir zwar nicht genau erklären können was sie tun, ausser “more fun as a pirate” haben und den Talk-Like-a-Pirate Day feiern. Haben ein wenig ziellos gewirkt. Vielleicht brauchen sie ja einen neuen Captain… Mal schauen was sich da ergibt.
Dann werd ich in Zukunft auch Emails vom Climbing Club bekommen. Es gibt zwar keine Berge in der näheren Umgebung, aber vielleicht stellt ja wer wo eine Kartonwand auf. Passiert in Hollywood ja auch oft genug. Besonders gespannt bin ich schon auf die Model United Nations. Ich bin ja bis jetzt nicht ganz sicher ob das “wir spielen Vereinte Nationen” oder “wir suchen – ganz divers – das nächste Top-Model” bedeutet. Es ist unter International gelistet. Das würd jetzt auf beides passen.
Besonders vorurteilsbestätigend waren die “go Greek” Fraternities/Soronities: uniformiert in den jeweiligen “Alpha-Phi-Sigma”, “Iota-Theta-Kappa”, … T-Shirts, mit den selben Röcken/Hosen tauchen sie nur in Gruppen auf und sind vor allem eins: so cool. Kein Wunder, dass die alle bei Scream und Ich weiß was du letzten Sommer getan hast vorkommen (und innerhalb der ersten 20 Minuten umgebracht werden). Böse. Ich hoff ich hab keine in meinen Kursen. Sonst kann ich hier nur mehr verschlüsselt schreiben.
Und, ja liebe FüchsInnen, ich hab natürlich auch die Impro-Szene ausgecheckt (Improv, wie das hier heißt). Werd mir mal anschauen was die KollegInnen da so zu bieten haben. Wenn der Boden gut aufbereitet ist für uns, dann fang ich an Tourdaten zu verhandeln.
Walking in Memphis
Es ist jetzt schon eine Weile her, fast kommt es mir vor wie eine Ewigkeit, aber letzte Woche war ich in Memphis. Nicht nur in Graceland, wie der letzte Eintrag Glauben machen könnte. Memphis ist viel mehr als Elvis. (Auch wenn er natürlich schon was ganz besonderes war – und so hübsch….!).
At what time & place in history would you like to be? Definitely Memphis in the 50ies & 60ies!
Musikalisch haben sich rund um das berühmte Sun Studio schwarze und weiße Musiker und Musikerinnen gefunden und Platten aufgenommen. Sam Phillips, der Besitzer des Studios, war explizit auf der Suche nach neuen, noch unbekannten Talenten. BB King, Johnny Cash, Roy Orbison, Anne Peebles, Ike Turner, Elvis Presley sind nur einiger der großen Stars, die irgend wann mal hoffnungsvoll in das Sun Studio gestolpert sind und für 4 Dollar ihre erste eigenen Platte aufgenommen haben. Sam hat prinzipiell jedem und jeder eine Chance gegeben. Er hat alles aufgenommen. Was ihm gefallen hat, hat er versucht weiter zu fördern.
Er hat ausserdem 1955 den ersten Frauenradiosender gegründet: WHER – The World´s First All-Girl-Radio-Station. Pretty fortgeschritten für 1955, hm? Das Konzept war einfach: nur Frauen stehen hinterm Mikro und machen Radio. Pretty effective, too!
Beale Street is the place to be to listen to live music. Jedes Lokal und jede Straßenecke hat ihre eigene kleine Blues-, Soul- oder Rockband. BB Kings Cafe bietet Blues zum Abendessen und wer dann nacher noch spazieren gehen will kann sich den Live-Überlagerungen hingeben. Oft ist es echt schwer zu sagen wo der eine Beat aufhört und der andere anfangt. Selbstredend, dass Gibson dort eine Gitarrenmanufaktur hingestellt hat. Wo sonst?
Der zweite Grund warum Memphis berühmt geworden ist, ist die Ermordung von Dr. Martin Luther King Jr. am 4. April 1968 vor dem Lorraine Motel. Ein Scharfschütze aus dem Haus gegenüber hat ihn vor seinem Motelzimmer erschossen. Er wär grad auf dem Weg zum Abendessen gewesen. Lorraine Motel ist umgebaut worden zum National Civil Rights Museum. Die Fassade des Motels ist stehengeblieben und am Balkon hängt ein Blumenkranz. Sogar die Autos stehen noch vor der Tür.
Auch wenn die Fiaker mit komischen Cinderella-Kutschen durch die Stadt fahren, Memphis ist immer noch eine großartige Stadt… und zwei Tage sind viel zu wenig! Cheers!
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