Posts Tagged ‘Buchtipp’
Reisevorbereitungen
Ich lese äußerst selten Gebrauchsanweisungen. Entweder, weil die Handhabe des Gerätes so simpel ist, dass ich mir zutraue sie ohne Anweisungen hinzukriegen. Funktioniert meistens. Oder, weil die Gebrauchsanweisung länger als fünf Seiten ist, ich zu ungeduldig bin und sowieso lieber nach der Trial-and-Error Philopsophie arbeite. Funktioniert überraschend oft. Wenns nicht funktioniert muss ich erst wieder lesen und hoffen noch keine Kleinteile permanent an die falsche Stelle geklebt oder geschraubt zu haben.
Gerade eben habe ich ungewöhnlicherweise eine 221seitige Gebrauchsanweisung freiwillig und von Anfang bis Ende gelesen: Adriano Sacks´ “Gebrauchsanweisung für die USA”. So Bücher mag ich im Normalfall noch weniger als die klassische Ikea oder Nokia Anweisung. Was will mir schon jemand darüber erzählen, wie ich mich einem Land gegenüber zu verhalten habe?! Ähnlich dumm wie Bücher alá “Wie Männer ticken” oder “Wie Frauen ticken”. Hab sie gelesen. Hat nix geholfen. Kenn mich immer noch nicht aus.
Die Gebrauchsanweisung für die USA ist eine Ausnahme. Ich kann nicht genau sagen warum. Sie ist unterhaltsam. Intelligent. Hat mich zum Schmunzeln und an manchen Stellen sogar zum Lachen gebracht. Sie ist dem Land gegenüber ausreichend kritisch und trotzdem sympathisierend. Benennt “typische” amerikanische Spleens, die gleichzeitig nervig und liebenswert sein können. Spiegelt die Ambivalenz des riesigen Landes wider und macht klar wie unsinnig es ist von “den AmerikanerInnen” zu sprechen. Als ob es eine Typologie geben könnte…
Gute Sommerlektüre knapp vor der großen Reise. Ich fühl mich gleich viel besser vorbereitet.
Der Mensch als Metapher
Georg Lakoff – der Mann, wegen dem ich beinahe meine Dissertation über den Haufen geworfen, und völlig neu aufgebaut hätte. Hätte! Ist nicht Junge, die Grundfesten stehen, an denen wird nicht mehr gerüttelt! Trotzdem meine Dissertation eine immerwährende Baustelle bleiben wird (ich könnte da noch ewig weiterbasteln), wird jetzt Dachgleiche gefeiert, ein Bäumchen gepfanzt, ein paar Gutachten eingeholt und dann die Fassade hübsch präsentiert (Theorien sind Gebäude). Was schreibt der, dass mich so beeindruckt hat? Nun ja, ich mag Wortspielerein. Ich weiß, dass sprachliche Bilder nicht zufällig gewählt werden, und ich hab mich drei Jahre lang mit filmischen Bildern beschäftigt. Die Verknüpfung dieser beiden, auf einer politischen Ebene, finde ich höchst spannend.
“Auf leisen Sohlen ins Gehirn – Politische Sprache und ihre heimliche Macht” ist der Titel des neuen, im Carl-Auer Verlag erschienen Buches von Georg Lakoff im Gespräch mit Elisabeth Wehling. Darin beschreibt er die unterschiedlichen Metapher die, beispielsweise, konservative und progressive PolitikerInnen benutzen wenn sie von Staat reden. Für die einen ist der Staat der “strenge Vater”, der oft mal hart aber gerecht durchgreifen muss. Die Anderen verwenden die Metapher der “fürsorglichen Eltern”, die für ihre Kinder sorgen und manchmal Grenzen setzten müssen, damit sich die Kleinen nicht weh tun.
So oder so bleiben die BürgerInnen Kinder.
Ein anders Beispiel, dass er immer wieder bringt, sind Metapher für Beziehungen. Beziehungen als Weg (wir sind auseinandergegangen, wir haben zusammengefunden) als Kapital (du musst mehr Zeit investieren, etwas zahlt sich aus oder nicht), oder, jüngst in einem Email in meinen Postkasten geflattern: Beziehungen als Programme
INSTALLING A HUSBAND
Dear Tech Support,
Last year I upgraded from Boyfriend 5..0 to Husband 1.0 and noticed a distinct slowdown in overall system performance, particularly in the flower and jewelry applications, which operated flawlessly under Boyfriend 5.0. In addition, Husband 1.0 un-installed many other valuable programs, such as
- Romance 9.5 and
- Personal Attention 6.5,
and then installed undesirable programs such as
- NBA 5.0 ,
- NFL 3.0 and
- Golf Clubs 4.1.
Conversation 8.0 no longer runs, and Housecleaning 2.6 simply crashes the system. Please note that I have tried running Nagging 5.3 to fix these problems, but to no avail. What can I do?
Signed,
Desperate.
Dear Desperate,
First, keep in mind,
- Boyfriend 5.0 is an Entertainment Package, while
- Husband 1.0 is an operating system.
Please enter command: ithoughtyoulovedme.html, try to download Tears 6.2, and do not forget to install the Guilt 3.0 update. If those applications work as designed, Husband 1.0 should then automatically run the applications Jewelry 2.0 and Flowers 3.5.
However, remember, overuse of the above application can cause Husband 1.0 to default to Grumpy Silence 2.5, Happy Hour 7.0, or Beer 6.1. Please note that Beer 6. 1 is a very bad program that will download the
Farting and Snoring Loudly Beta. Whatever you do, DO NOT under any circumstances install Mother-In-Law 1.0 (it runs a virus in the background that will eventually seize control of all your system resources.)
In addition, please do not attempt to reinstall the Boyfriend 5.0- program. This is an unsupported application and will crash Husband 1.0. In summary, Husband 1.0 is a great program, but it does have limited memory and cannot learn new applications quickly. You might consider buying additional software to improve memory and performance. We recommend
- Cooking 3.0 and
- Hot Lingerie 7.7.
Good Luck!
Tech Support
Keine Chance für Lisa Simpson
Und neben unglaublich süßen Fotos vom Leo findet sich die neueste Neuerscheinung der erlerschen Herausgeberschaft: Keine Chance für Lisa Simpson? Soziale Ungleichheit im Bildungssystem.
Schon allein wegen dem süßen Coverbild sollte das Buch in keinem Bücherregal fehlen.
Wir nennen es Arbeit
Nachdem ich heut den ganzen Tag im kalten und windigen Wien herumgelaufen bin, mir das Ohr heiß telefoniert habe um mobil Termine für meinen Chef zu koordinieren und mir im Kaffeehaus die Zunge verbrannt hab, weil die Kaffeepause doch nur 7 statt 30 Minuten gedauert hat (mobiles Checken war bereits wieder angesagt) bin ich dann so gegen 18 Uhr – kurz vor Geschäftsschluss – in ein Buchgeschäft gestolpert, dessen Auslagengestaltung mir ins Auge gestochen ist.
Da lag nämlich ein Buch mit dem schönen Titel “Wir nennen es Arbeit”. Mit einem sarkastischen Achselzucken “no, na!” wollt ich weiterlaufen, da hab ich den Untertitel gelesen und bin doch stehengeblieben. Da stand: “Die digitale Bohème oder Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung”. Ich hab ja schon länger vermutet, dass diese sicheren Festanstellungen (die in Realität gar nicht immer so sicher sind) irgendwo einen Haken haben. Eine meiner Diss-Thesen ist ja auch, dass Freiheit und Sicherheit nicht im Doppelpack zu haben sind – entweder oder heißt`s, zumindest im Piratengenre.
Laut Rezension ist die Digitale Bohème “ein unabhängiger Mensch, der selbstbestimmt, glücklich und erfolgreich allein und so arbeitet, dass er sich jederzeit treu ist und genügend Geld in der Tasche hat.”
Und nachdem ich heut schon mit Tagträumen angefangen habe… warum nicht damit auch zu Bett gehen? Schöne Träume, wünsch ich mir!
