Tales of a Clown

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Bild-Text Schere

In dem sehr interessanten Workshop, dem ich die letzten drei Tage am Graduiertenzentrum beiwohnen durfte – ich hol mir ja mittlerweile sogar schon meine Lehrveranstaltungen ins Büro, damit ich gar nicht mehr raus muss aus der Ferstelgasse – ging es um Visuelle Ananlysen in der Sozialwissenschaft. Unglaublich angenehm einmal abseits der Frage “und was ist da dran politikwissenschaftlich?!?” über das eigene Dissertationsvorhaben zu diskutieren und vor allem auch andere Leute zu treffen, denen bei ebendieser Frage auch das G´impfte aufgeht. So wie wir visuellen AnalytikerInnen geschlagen werden muss noch was ganz Großes aus uns werden. ;)

Eine spannende Erkenntnis, an der ich gerne weiterdenken möchte war die scheinbar unterschiedliche Geschwindigkeit in der sich Sprache und Bild verändern. Ich hab das ein paar Beiträge früher schon bei der Country Musik angenommen: auf der textlichen Ebene geht es weg von großen Mythen der starken Männlichkeit hin zu understatements und dem Eingeständnis der eigenen Fehler. Die großen Helden sind also menschlich geworden, singen “if it was cool to be a fool” und “I ain´t as good as I once was”.

Sie lieben ihre Frauen – verehren sie sogar und würden alles für die Liebe ihres Lebens tun. Soweit der Text. Ein Klischeewechsel also. Ob die neuen Klischees besser als die alten sind, muss sich erst herausstellen, spannend ists aber zumindest. Gut, dachte ich, nett. Dann schau ich mir doch mal so einen Film an.

“Beer for my horses” (USA 2008) – von, mit und durch Toby Keith.

Beer for my Horses

Was uns der Film sagt: Männer sind gern Deputy Sheriffs (wegen der Knarren), gehen in die Wüste Schweine schießen (mit ihren Knarren), lieben ihren Truck, das Bier am Freitagabend, hassen Mexikaner und fahren für ein gutes Shoot-Out bis über die Grenze nach Mexiko. Wenn noch eine hübsche, zaundürre, Frau mit großen Augen und einem wiegenden Hüftschwung mit im Spiel ist, die man vor dem bösen mexikanischen Drogenbaron und dessen Banditos retten kann (3 gegen 30 ist bei der Dichte an Knarren und der unglaublichen Blödheit von Mexikanern wirklich kein Problem!) dann ist der Grund fürs Shoot-Out noch romantisch auch.

Phju.

Was im Lied bärig, lieb und leicht tollpatschig rüberkommt verwandelt sich im handumdrehen in einer reißende, mordende Bestie sobald jemand den Truck schief anschaut oder die Freundin nach Mexiko verschleppt. Was sich also im Text schon partiell aufgelöst hat spiegelt sich im Bild kaum wieder.

Ein Nebenschauplatz im Film ist übrigens ein GauklerInnen-Camp bei dem unsere Road-Trip-Rowdies halt machen dessen Chef von Willie Nelson, einer andern Country Ikone verkörpert wird.

Country Music

Mein neues/altes Projekt: Country Music. Seit dem Moment, wo ich zum ersten Mal, im Frontiers in Las Vegas, Toby Keith begegnet bin – er: auf der Leinwand “As good as I once was” singend, ich: mit einem Bud Light an der Bar -  lässt mich Country nicht mehr los: Alan Jackson, Tracy Adkins, Gretchen Wilson, Dolly Parton, Shania Twain, Willie Nelson, die Großen der Musik, die immer noch gern am Lagerfeuer, im 16-Tonner oder über Internetradio ihre Botschaft in die Welt tragen.

Mit dem Mainstream und das Populäre hab ich schon mit meiner Diss angefangen wissenschaftlich auseinanderzusetzen. Jetzt folgt die Musik, zumindest geplanterweise. Vor allem spannend finde ich die Beziehungen, die in den Liedern vorkommen. Die Wünsche an das (zum überwiegenden Teil) andere Geschlecht. Das Verständnis das gesucht wird. Brad Paisley singt – Honey, I´m still a Guy – und meint damit, dass er sich nicht ändern lassen wird, von keiner Freundin:

These days there a dudes getting facials, manicured, waxed and botoxed …. My eyebrows ain´t plucked, there´s a gun in my truck – thank god, I´m still a guy.

Bei Männern ist es also recht leicht festzustellen was Männlichkeit ausmacht: eine Knarre im Auto und buschige Augenbrauen. Gerade im Country ist es aber nicht ganz so einfach. Gleichzeitig gibt es nämlich auch genug Lieder, die diese hochgehaltene Männlichkeit selbst dekonstruieren. Lustigerweise noch ein Beispiel vom selben Interpreten: Online von Brad Paisley, ein Nerd, der bei seinen Eltern wohnt und gerne so wie Brad Paisley wär – und hier zahlt es sich unbedingt aus auf den Link zu klicken: das Video ist großartig (mit einem Gastauftritt von William Shatner) – oder Celebrity, wo er gleich noch die Möchtegern-Promis der Reality Shows auf die Schaufel nimmt.

Die Formel Countrystars sind cool funktionier also nicht unbedingt. Was eher funktioniert ist Countrypeople sind natürlich. Das singt auch Gretchen Wilson – aus Pocahontas, Illinois: sie braucht keine Designerklamotten um einen Typen aufzureißen: I don´t need no designer tank to make my man want me oder Ain´t you glad we´re not all California Girls. California Girls sind nämlich im Gegensatz zu Redneck Women nicht dazu fähig Hühnchen aufzutauen oder einen Lapdance hinzulegen. Tja. Hell yeah!