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Striking in the USA

Es war saukalt und hat geregnet. Nachdem das Wochenende uns noch mit 20° C verwöhnt hat, hat das Wetter am Montag dann laut und deutlich gemeint: Bleibt daheim im Bett!

Trotzdem sind um 7:45 in der Früh ein paar hundert Teaching Assistants im strömenden Regen am Quad gestanden haben für einen Vertrag skandiert und sich in Picket Lines einteilen lassen. Dann wurde ganz traditionell amerikanisch gepicketet und skandiert.

Das Foreign Language Building - closed downPicket Circle - wir hatten zum Glück ein Dach über unserer TürKein Unterricht ist auch eine Lehre!Streikmittagspause. Der Kollege aus Deutschland macht trotzdem weiter.UnterstützungStriking Irene

Nachdem wir das Foreign Language Building belagerten, haben wir versucht multilingual zu skandieren: deutsch, griechisch, arabisch, französisch, spanisch und natürlich englisch. Leider waren zwei Tage zu wenig um mich an alle Sprachen zu erinnern…

Das lustige war, dass zu Mittag wirklich eine halbe Stunde Pause war. Mich hat das sehr an Asterix bei den Briten erinnert.

Faculty und Undergrads sind vorbeigekommen und haben uns unterstützt, Kaffee gebracht, mitmarschiert, selber Schilder gebastelt gehabt. Am zweiten Tag ist dann sogar das Wetter besser geworden. Erstaunlich diszipliniert wurden Picket Shifts eingehalten. JedeR war pünktlich da, alle haben sich zivilisiert und freundlich gegenüber den nicht-Streikenden verhalten -  “Please don´t cross, joooooin us. Please don´t cross, jooooin us.” – trotzdem haben sich Leute bei der Polizei beschwert. Ich weiß ja nicht. In Österreich wär schon längst das Gebäude gestürmt, irgend ein Büro besetzt und ein Aktenordner aus dem Fenster gefolgen. Nicht, dass ich das besser fänd. Der Streik hier ist sehr partizipativ und sehr effektiv. Heut war in der Früh ein Polizeiauto da, das nach einer Stunde wieder gefahren ist, weil eh alles friedlich ist. Echt, so gehts wirklich auch! G.E.O. you are amazing organizers!

Am zweiten Tag haben wir sogar den Chant geändert, um keine Undergrad & Faculty Seelen mehr zu verletzen, auf: “please join us, please join us, please join us”…. Dafür hatten wir mehr selbstgebastelte Trommeln und waren lauter.

Nach 1,5 Tagen Streik hat die Uni nachgegeben und einen – anscheinend – annehmbaren Vertrag angeboten. Wir werden sehen. Heut Abend gibts ein Memberschip-Vote in der Wesley United Methodist Church (ja, viele sind auf unserer Seite…). Da wird über den Vertrag und den Streik abgestimmt. Wenn die Mehrheit der Mitglieder nicht zurfrieden sind, dann stell ich mich morgen wieder vors FLB:

I want a contract, yes I do, I want a contract, how about you?

Voran du Arbeitsvolk

Illinois am Rande eines Streiks. Ganz Illinois? Nein, natürlich nicht. Aber ein kleines …. wir kennen den Rest ja.

In a protest outside the University of Illinois board meeting this morning, graduate student instructors from the Urbana-Champaign campus threatened to strike Monday if they do not reach a contract with the administration.

Berichtet Chicago Breaking News gestern. Was ist passiert? Hat ein Mitglied einer kleinen revolutionären Splittergruppe einen Lehrauftrag bekommen die Gelegenheit genutzt um gemeinsam mit zwei Freunden den Generalstreik auszurufen?

Nö. Weit gefehlt. Die Mitglieder der Graduate Employee Organisation (G.E.O.) haben vorige Woche mit einer Mehrheit von 92% für einen Streik abgestimmt. So richtig. Mit Urne und Stimmzettel. Und, so wies momentan ausschaut, wird der Streik der Teaching Assistants nächste Woche anfangen. Morgen gibt es noch eine Verhandlungsrunde, nachdem sich die Universitätsadministration endlich durchgerungen hat ein Gesprächsangebot zu machen. Die Verhandlung hätte am Campus stattfinden sollen. Heute Nachmittag ist der Ort an den 3 Meilen südlich gelegenen Willard Airport verlegt worden. Weniger DemonstrantInnen werden erwartet. Fahrgemeinschaten sind schon organisiert. (I mean, seriously! EVERYBODY in the US has a car… you could have anticipated that…)

Die wichtige Frage bei so Streiks ist ja immer – wofür wird gestreikt, was sind die Forderungen? Nun, die Teaching Assistants schupfen, wie so oft, als unterbezahlte ArbeitnehmerInnen den Großteil des Undergraduate-Pogramms der Universität (das kommt uns doch bekannt vor? Aus anderen Kontexten?). Die meisten sind Graduate-Studierende die sich durch die Lehre ihren Lebensunterhalt verdienen (rings bells? hm?). Seit August machen das die 1500 Graduate Employees der University of Illinois at Champaign-Urbana ohne Vertrag (now…?!).

Die Campus Faculty Association unterstützt den StreikDie Undergrad Association unterstützt den Streik100te Teaching Assistants werden am Montag nicht arbeiten

Sprechgesang Nr. 1 auf Demos ist also:

What do we want? A contract! When do we want it? NOW!

Gleichzeitig versucht das Verhandlungsteam garantierte Tuition Waivers, Health Care und A living wage für die ArbeitnehmerInnen zu verhandeln. Ein Unterfangen, das sich als schwieriger als man vielleicht glauben könnte herausstellt. Die Verhandlungen dauern mittlerweile schon über ein halbes Jahr und die Universität hat erst begonnen sich zu bewegen, als der Streik als Option immer wahrscheinlicher geworden ist.

Ein Graduate Student, der an der U. of I. studiert braucht, laut universitärer Berechnungen, $16.000 im akademischen Jahr. Die Uni zahlt ihren eigenen Angestellten ein “living wage” von $13.000 im akademischen Jahr. Sind wohl nicht so viele Mathematiker im Rektorenteam.

Alle Departments sind auf der Seite ihrer Teaching Assistants, unterstützen den Streik und die GEO bei ihren Forderungen. Viele haben ihren Grad-Employees zugesichert, dass sie keinerlei Maßnahmen gegen sie ergreifen werden wenn sie streiken, da ja klar ist: der gemeinsame Feind ist die Administration, nicht das Department oder die Faculty.

Natürlich gibt es eine Insel, auf der alles ein bisschen anders abläuft: Dort werden substitute teachers (scabs, die man aber nicht so nennen darf, weil das ihre Gefühle verletzen könnte) organisiert damit möglichst niemand was von dem Streik mitbekommt. Ich bin ja schon gespannt ob die Studis solidarisch sind… Dann dürfen die sca.., sorry, subs in leeren Hörsälen unterrichten.

Wär ich ein Institut, dann würd ich mich ja HINTER meine Teaching Assistants stellen und sagen: “Hey, Universität! Ich brauch meine Leute! Sonst kann der Unterricht nicht stattfinden. Also bezahlt sie gefälligst damit sie wieder arbeiten kommen! Aber flott!” Angewandte Solidarität würde man das vielleicht nennen.

Wenn ich, als Institut, allerdings der Unversität beweise, dass der Unterricht auch ohne Teaching Assistants reibungslos stattfinden kann, weil genügend andere Leute “einspringen”, dann könnte der Universität natürlich, als Sparmaßnahme in diesen finsteren Zeiten, einfallen, dass das betreffende Institut vielleicht gar nicht so viele Graduate Employees braucht. Und dann könnte es natürlich passieren, dass das Institut in Zukunft statt 17 Stellen nur mehr 12 Stellen im Planbudegt stehen hat. Angewandte Sparmaßnahme würde das dann vielleicht heißen.

Das Institut kann nur hoffen, dass das Rektorat, das, wie wir bereits wissen, nicht sonderlich mathematisch begabt ist, auch germanistisch nicht fit ist und durch diesen Eintrag nicht auf dumme Gedanken kommt. Weiters hoffen wir, die Graduate Employees, dass die Universitätsadministration sich am Willard Airport weichklopfen lässt. Am Verhandlungstisch, versteht sich.

Ich, ganz privat, hoff ja, dass wir einen, von August an rückwirkend geltenden Vertrag mit einem höheren Gehalt bekommen und ich mir um die fette Nachzahlung dann einen Heckspoiler für mein Auto kaufen kann.