Allerton, Park and Retreat Center, gehört zur University of Illinois und liegt 40 Minuten westlich von Champaign. Ich hab dort heut meinen Tag verbracht.
Tag Archives: Marta
Hopsadaisy – Marta is crazy!
She used to say that – wenn sie mit dem Hinterreifen über den Randstein geholpert ist, zum Beispiel. Sie hatte recht. Sie war ein bisschen verrückt, manche würden sagen – ein bisschen sehr verrückt ;) - sie war auch eine sehr gute Zuhörerin, eine wunderbare Gesprächspartnerin, eine phänomenale Tante, ein außergewöhnlicher Mensch.
Als Kind haben mich ihre Mitbringsel begeistert. Die Scherzartikel, die sie zu jedem Familienbesuch mitgebracht hat: eine Milchpackung die muht, ein Ring der brummt, wenn man jemandem die Hand gibt. Sie hat eine ganze Tasche davon gehabt. In meiner Phantasie hat London hauptsächlich aus Scherzartikelgeschäften bestanden. Es war SO cool eine Tante in London zu haben! Zurück ist sie immer mit Käsekrainern und Weinflaschen im Handgepäck geflogen.
Meine erste erwachsene Erinnerung an sie habe ich als ich sie mit 15 in London besucht habe, zum Englisch lernen. Dieser Monat in London – in King Edwards Gardens – war einer der schönsten in meinem Leben. Pub Quiz Dienstag Abends: Ich durfte meinen ersten Shandy kosten. Ich hab nicht mal die Fragen verstanden, aber Marta hat jedesmal darauf bestanden, dass ich eine große Unterstützung gewesen bin, und dass sie ohne mich noch weniger Punkte gemacht hätten. Für eine 15jährige eine sehr wichtige Ermutigung! Ich hab mich so erwachsen gefühlt.
Am Abend sind wir oft bei einer Tasse gutem englischen Tee (selbstverständlich mit Milch – seither trinke ich Tee mit Milch) zusammengesessen und haben geredet. Über die Zukunft, die Vergangenheit, unsere Träume. Dabei haben wir mit Nelken Muster in Orangen gesteckt weil sie überzeugt davon war, dass sie die zu Weihnachten am Markt verkaufen wird. Ich hab in dem Monat eine Orange geschafft, Marta zwei. Ich glaub, sie hat sie nicht verkauft. Sie hat sie selbst aufgehängt im Haus. Dafür hat sie andere Geschäftsideen umgesetzt: Schmuck und Silber am Carboot Sale kaufen und am Picadilly Market weiter verkaufen.
Als sie mich dann zum Flughafen gebracht hat sind wir durch den Stadtverkehr von London gehetzt, weil wir vieeeel zu spät weggefahren sind. Ich hab das Flugzeug nur joggend, den Koffer durch ganz Heathrow nachziehend, erreichen können.
Sie hat darauf bestanden mit 60 noch ein Haus zu bauen. Im Waldviertel. Und es ist ein schönes Haus geworden. Sie hat nur kurz darin gewohnt.
Marta ist am 11. September 2009 gestorben. Sie wär heuer 67 geworden, und es hätte bestimmt eine Party gegeben, wär da nicht der Krebs dazwischengekommen.
Wir werden dich vermissen, Marta. Wir vermissen dich jetzt schon.











