Country Music

Mein neues/altes Projekt: Country Music. Seit dem Moment, wo ich zum ersten Mal, im Frontiers in Las Vegas, Toby Keith begegnet bin – er: auf der Leinwand “As good as I once was” singend, ich: mit einem Bud Light an der Bar -  lässt mich Country nicht mehr los: Alan Jackson, Tracy Adkins, Gretchen Wilson, Dolly Parton, Shania Twain, Willie Nelson, die Großen der Musik, die immer noch gern am Lagerfeuer, im 16-Tonner oder über Internetradio ihre Botschaft in die Welt tragen.

Mit dem Mainstream und das Populäre hab ich schon mit meiner Diss angefangen wissenschaftlich auseinanderzusetzen. Jetzt folgt die Musik, zumindest geplanterweise. Vor allem spannend finde ich die Beziehungen, die in den Liedern vorkommen. Die Wünsche an das (zum überwiegenden Teil) andere Geschlecht. Das Verständnis das gesucht wird. Brad Paisley singt – Honey, I´m still a Guy – und meint damit, dass er sich nicht ändern lassen wird, von keiner Freundin:

These days there a dudes getting facials, manicured, waxed and botoxed …. My eyebrows ain´t plucked, there´s a gun in my truck – thank god, I´m still a guy.

Bei Männern ist es also recht leicht festzustellen was Männlichkeit ausmacht: eine Knarre im Auto und buschige Augenbrauen. Gerade im Country ist es aber nicht ganz so einfach. Gleichzeitig gibt es nämlich auch genug Lieder, die diese hochgehaltene Männlichkeit selbst dekonstruieren. Lustigerweise noch ein Beispiel vom selben Interpreten: Online von Brad Paisley, ein Nerd, der bei seinen Eltern wohnt und gerne so wie Brad Paisley wär – und hier zahlt es sich unbedingt aus auf den Link zu klicken: das Video ist großartig (mit einem Gastauftritt von William Shatner) – oder Celebrity, wo er gleich noch die Möchtegern-Promis der Reality Shows auf die Schaufel nimmt.

Die Formel Countrystars sind cool funktionier also nicht unbedingt. Was eher funktioniert ist Countrypeople sind natürlich. Das singt auch Gretchen Wilson – aus Pocahontas, Illinois: sie braucht keine Designerklamotten um einen Typen aufzureißen: I don´t need no designer tank to make my man want me oder Ain´t you glad we´re not all California Girls. California Girls sind nämlich im Gegensatz zu Redneck Women nicht dazu fähig Hühnchen aufzutauen oder einen Lapdance hinzulegen. Tja. Hell yeah!

Get a Haircut, Boys!

Ich hab einmal einen Eintrag zur Kelly Family geschrieben. 2007 war das. Zwei Jahre und eine Blogübersiedelung später, immer noch einer der wichtigsten Gründe weswegen Leute von Google auf meinen Blog verwiesen werden.

In der Search Engine Terms Liste rangiert “Kelly Family” mit 87 Verweise haushoch vor “Irene Zavarsky” mit 17, dicht gefolgt von “The Kelly Family” mit 13. Auch auf den Plätzen 8,9 und 10 unterschiedlichste Schreibeweisen der lieben Familie: mit Artikel “the kelly familie”  oder ohne “kelly familie”, “kelly familiy”.

Weiter hinten tummeln sich dann noch verstreut ein paar “barbie kelly family”, “paddy kelly freundin” (weiß ich leider auch nicht, kann man aber sicher rausfinden!), “angelo kelly an angel”, “angelo kelly family”, “the kelly family an angel”, …. als ob ich nie etwas anderes geschrieben hätte als Blogeinträge über die Kelly Family.

Nicht, dass ich nicht noch was zu sagen hätte. Im Zuge meiner Kelly-Recherchen bin ich auf das Video von “An Angel” gestoßen. Der Hit, damals, man erinnert sich. Musik mit Kindern hat ja immer ein bisschen was von Kinderpornos: Irgendwer sagt den Kleinen was sie tun sollen, sie tuns, und andere kassieren Geld dafür.

Das hat der Grand Prix der Volksmusik begriffen als er Stefanie Hertel mit 11 vor die Kamera geschubst hat und Papa Kelly auch, als er seine Kinder auf die Bühne stellte. Er hat dem kleinen Angelo ein Video von Dieter Bohlen gezeigt und gesagt: “Schau Bub, das was der mit den Händen macht, das machst du auch. Und jetzt geh und sing.”

Ein bisschen creepy, muss ich sagen.

Yo! Ottakring!

Sehr musiklastig grad meine Einträge. Von american Country gehts schnurstracks zu einer anderen Art von Heimatlied: zum Gangasta Rap. Mittlerweile ja beliebt unter Ö-Gangstan ihre Heimat zu besingen, Salzburg ist ja da schon mit nicht so gutem Beispiel vorangegangen, wird Klick-Klack-Kopfschuss Ottakring berapt.
Ich hoff ja ein bisschen, dass ich dazugehör, sonst ist mein Taschengeld am ersten Schultag weg…

Country Love

Ja, ich geb zu, es mag jetzt total seltsam scheinen, aber immer im Frühling muss ich ganz viel Country Musik hören und von weiten Steppen, Lagerfeuern und Männern mit großen Hüten träumen. Dort wo Abenteuer noch Abenteuer sind und ein Taschenmesser noch dein Leben retten kann. Ich muss mich direkt zurückhalten um mir nicht karierte Hemden und Cowboystiefel zu kaufen. Wär eine sehr unnötige Ausgabe, spätestens im Sommer sind wieder leichte Kleider und Trägertops angesagt.

Gut, dass es auf iTunes eine ganz lange Liste von Country-Radiosendern gibt. Die Ideale Kompensationshandlung. Saves me a lot of money (und einen Schrank voll karierter Hemden *g*).
Der Aktuellste (und der den ich immer höre) ist The Kickin Country Channel. Wie wir vor einem Jahr in Amerika waren und in Las Vegas Country Bands gehört haben (vielleicht kommt die Frühlingsliebe zum Country auch daher…*grübel*) hab ich, wieder zu Haus, bei dem Sender die meisten der Hits gehört, die wir auch dort gehört haben. Very up to date!
Ganz großartig ist das Cowboy Up Radio. Dort wird klassischerer Country gespielt, durchsetzt mit Cowboy Gedichten every now and then. Wirklich hübsch! Ein bisschen Gott-zentriert, aber das hat Country eben so an sich.
Radio Louisiana erinnert ein bisschen an die Prairie Home Companion. Grad halt, dass sie die Werbung nicht selber sprechen. Unbedingt empfehlenswert!
Das einzig blöde bei Internetradio sind die Stream-Ausfälle die immer wieder passieren. Meistens mitten in der schönsten Nummer oder im großartigsten Gedicht. Aber damit muß man wohl leben, so weit vom Country entfernt.

Was ist eigentlich aus der Kelly Family geworden?

Erinnert ihr euch? Joey, Jimmy, Patricia, Paul, Kathy, John, Barby, Maite, der süße Paddy und der kleine Angelo mit Vater Dan und Mutter Barbara im selbstbemalten Bus auf Tour? Die ersten großen Konzerte, wo Angelo noch fast ein Kind mit glockenheller Stimme “Sometimes, I wish I was an Angel” singt? Paddy im Bravo das Mittelposter macht und die restliche Familie eifersüchtig ist auf ihn? Dann das Hausboot in Amsterdam, das die Familie gemeinsam renoviert und anschließend bewohnt. Schon umlagert von Fans die am Ufer neidig die schwimmende Großfamilienidylle blicken. Sich fragen warum die eigenen Geschwister so unendliche Nervensägen sein müssen und die eigenen Eltern nicht auch zumindest ein bisschen ein Instrument spielen und so unendlich dagegen sind dem Opel vor der Haustür die Kotflügel orange anzumalen.

Obwohl, ehrlicherweise, so richtig cool war es nicht auf die Kellys zu stehen. Hippie war damals, in den frühen 90ern schon out und die Kellys toll zu finden oder gar eine CD zu besitzen war was für Mädchen! Diese Öko-Schlapfen Bagage mit Hausboot und Bus, die meint weil sie ein bisschen Hausmusik auf einer Bühne machen und ihre Haare lang wachsen lassen und Blusen anziehen verändern sie die Welt! Pha! Ich hab “Over the Hump” trotzdem auswendig gekannt, “An Angel” auf der Gitarre spielen können, mir selber eine Hippie Blusen genäht und davon geträumt dazuzugehören. Am Donauinselfest 98 (oder 99) waren sie dann, die Kellys. Damals war die Phase leider schon wieder vorbei, sonst hätt ich sicher die Bühne gestürmt oder mich im Tourbus unter einer Bank versteckt, oder so.

Mittlerweile ist auch bei den Kellys vieles anders. Mutter Barbara und Vater Dan sind gestorben und die Kinder ihre eigenen Wege gegangen. Die meisten zwar immer noch singend, aber nicht mehr unbedingt miteinander. Der kleine Angelo ist mittlerweile erwachsen, verlobt, hat selber zwei Kinder und ist Gastdozent am Drummers Institute in Düsseldorf. Barby hat sich aus dem BühnenBusiness zurückgezogen. Maite arbeitet an einem Togo-Hilfsprojekt mit anderen Künstlern und Künstlerinnen. Paddy geht auf Anti-Irakkrieg Demos studiert Theologie und lebt zeitweilig im Kloster. Wie es sich für richtige Hippie Kinder gehört, eben.

Beim neujahrlichen Zusammenräumen hab ich die “Over the Hump” CD wieder gefunden. Ich kann sie immer noch auswenig und ich find sie immer noch gut…